22.11.2013 Luca und der Laika gehen auf die Pirsch

Auf Initiative des Schwarzwälder Boten

geht am 22. November 2013 ein Kinderwunsch in Erfüllung

  • Luca und Achat Foto von Erika Rapthel-Kieser

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Ein Siebenjähriger Bisinger will wissen, was es mit dem Waidwerk auf sich hat ...- nämlich so viel mehr als Tiere erlegen.

Artikel verfasst von Erika Rapthel-Kieser

Die Augen des siebenjährigen Bisingers Luca leuchten, er ist begeistert vom Fuchsfell um seinen Nacken. "Das ist so weich und flauschig – und warm." 

Lucas Weihnachtswunsch, einmal mit einem Jäger auf die Pirsch zu gehen: der Schwarzwälder Bote und der Naturpädagoge Victor Kiefel, Jugendobmann der JV Zollernalbkreis, haben ihn dem jungen Naturburschen erfüllt.

Herzens- und Eisbrecher für den zunächst etwas schüchternen Luca wird beim Gang ins Revier in Boll natürlich der Jagdhund. Der sechsjährige "Achat" ist ein Laika. Die Laikis, ursprünglich für die Zobeljagd in russischen Wäldern gezogen, arbeiten auch bestens unter deutschen Eichen. Viktor Kiefel, selbst in Kasachstan geboren, schwört auf die Laikis und tritt den Beweis an. "Achat" folgt aufs Wort. Luca ist schwer beeindruckt. Sein vierbeiniger Jagdkumpan sitzt und lauscht auf Kommando, geht brav bei Fuß, schnüffelt routiniert einer Spur hinterher, die der Jäger mit einem Stückchen Wurst am Faden durchs Gras gezogen hat, um eine künstliche Fährte zu legen. Achat zeigt mit einem Bellen an, wo sie endet. Und er apportiert den Dummie, den Luca ins Gras schmeißt und bringt ihn brav zu dem naturbegeisterten jungen Bisinger zurück. 

Als Viktor erzählt, dass Achat erst unlängst von einem Wildschwein am Bauch verletzt wurde und die genähte Wunde zeigt, macht Luca große Augen. Achat mutiert vollends zum Held. Mit dem drückt man dann auch gern gemeinsam die Schulbank - und sei es mitten im Wald. Denn Jäger werden, heißt zuerst einmal jede Menge lernen, erzählt Viktor und berichtet von der Jägerprüfung und was ein Waidmann so alles über die biologischen Zusammenhänge und das Ökosystem Wald wissen muss. -Welche Tiere essen was, welche sind sich Feind, wie verhalten sie sich?- Wildverbiss heißt eben nicht am Rehbraten zu Kauen und eine Zicke ist auch nicht die Mitschülerin, die man nicht leiden kann. Zu den anschaulichen Tafeln auf denen all die jagdlichen Begriffe und vieles mehr erklärt wird, zieht Viktor die Felle heraus und übersetzt ein bisschen aus der Jägersprache. 

Obwohl Luca im Alpenverein aktiv und viel mit seiner Familie in der Natur unterwegs ist, so hautnah hat er es noch nie gesehen und gefühlt: Die Decken und Schwarten, Krallen, Zähne und Geweihe von Marder, Dachs, Fuchs und dem Reh. 

Weiter geht’s auf Spurensuche. Achat hechelt und hilft. Ist der Kot da mitten auf dem Weg die Losung von Marder oder Fuchs? "Das ist ein Fuchs", erläutert Viktor und übersetzt die Markierung ins jugendverständliche Technodeutsch: Das ist sozusagen die SMS an die anderen Tiere: "Hier beginnt mein Revier!" 

Jetzt heißt es Klettern. Luca und Victor erklimmen den Hochsitz, die Jagdkanzel, wie der Jäger sagt. Hier sitzt Viktor Kiefel üblicherweise auf Schwarzwild an. Von hier aus kann er die Keiler, Bachen und Frischlinge, die er mit einer Kirrung anlockt, beobachten, zählen und ihr Verhalten und ihren Gesundheitszustand abschätzen. Kirrung, so nennt der Jäger es, wenn er geringe Futtermengen versteckt, um die Tiere gelegentlich anzulocken. Füttern darf er sie nicht, das ist nur in Notzeiten erlaubt, erklärt Kiefel. Luca kann erkennen, wo die Wildschweine gewühlt und sich gesuhlt haben. Toll. Und Victor hat die Zähne eines Keilers dabei. In der Jägersprache heißt das Gewaff. Luca darf so ein Gewaff mal in die Hand nehmen und abtasten. Kein Zweifel: Das Wildschwein ist das gefährlichste Tier im deutschen Wald. Viktor erzählt von Sicherheitsmaßnahmen und – gibt Rezepte für den Wildschweinbraten. 

Weiter geht’s zum Dachs. Hat die Dachshöhle einen Eingang, spricht der Jäger vom Bau, sind es mehrere, redet er von der Dachsburg. Auch so eine stöbert Achat auf. Und natürlich, nach vielen Jahren als Jäger im selben Revier in Boll weiß Viktor sowieso wo der Dachspass ist, der ausgetretene Weg, den der kleine vierbeinige Räuber und seine Artgenossen immer nehmen und auf dem die Krallenspuren deutlich zu erkennen sind. 

Nach so viel Aktion im Wald sind die drei Jagdkumpane durchgefroren. Der Abschluss ist klassisch. Jagdhornblasen. Routiniert spielt Viktor die Signale und erklärt ihre unterschiedliche Bedeutung. Jetzt muss sich Luca anstrengen, um dem Instrument einen Ton zu entlocken – aber mit geblähten Backen und langen Atem gelingt´s. Der Siebenjährige strahlt. Er will sobald es geht auf die schwere Jägerprüfung lernen und sich ausbilden lassen.

Und dann? .... Mit seinen Helden Viktor und Achat wieder auf die Pirsch gehen.